Krücken kaufen: Bauarten, Höhe einstellen und Zubehör

Krücken kaufen – aber welche? Wir erklären den Unterschied zwischen Unterarmgehstützen, Achselkrücken und Gehstöcken und zeigen die besten Modelle 2026.

Die meisten Menschen kaufen ihre Krücken nie — sie bekommen sie verordnet und im Sanitätshaus in die Hand gedrückt, oft ohne dass jemand die Höhe richtig einstellt. Genau daher kommen die Schulter- und Handgelenksschmerzen, die viele für unvermeidlich halten.

Dieser Ratgeber klärt beides: wann sich ein eigener Kauf lohnt, und wie du die Dinger richtig einstellst und benutzt.

Erst mal: Musst du überhaupt kaufen?

Unterarmgehstützen stehen im Hilfsmittelverzeichnis. Mit ärztlicher Verordnung übernimmt die Krankenkasse sie, du zahlst die gesetzliche Zuzahlung von in der Regel 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro pro Hilfsmittel.

Selbst kaufen ergibt trotzdem Sinn, wenn:

  • du leichtere Krücken willst, als das Sanitätshaus führt — die Kassenmodelle aus Aluminium wiegen meist um 500 g pro Stück, Carbonmodelle etwa die Hälfte,
  • du anatomische Griffe brauchst, weil du Handgelenks- oder Rheumabeschwerden hast,
  • du sie dauerhaft nutzt und dir Optik und Komfort etwas wert sind,
  • du ein Zweitpaar willst — eins für drinnen, eins fürs Auto.

Für sechs Wochen nach einem Bruch reicht das Kassenmodell völlig. Was den Unterschied macht, ist nicht die Krücke, sondern das Polster am Griff und die richtige Einstellung.

Die drei Bauarten

Unterarmgehstützen

Der Standard in Deutschland. Eine Manschette umfasst den Unterarm, die Hand liegt auf dem Griff. Das Gewicht verteilt sich auf Hand und Unterarm, die Hände bleiben halbwegs frei — man kann die Stütze kurz hängen lassen und nach etwas greifen. Für Wochen bis Monate die richtige Wahl.

Achselkrücken

In den USA Standard, hierzulande selten. Sie stützen unter der Achsel und geben mehr Stabilität, wenn ein Bein gar nicht belastet werden darf. Der Haken: Wer sein Gewicht dauerhaft in die Achsel drückt, riskiert Druck auf den Nervenstrang, der dort verläuft — mit Kribbeln oder Taubheit im Arm als Folge. Das Gewicht gehört auf die Hände, die Achselstütze nur zur Führung.

Gehstock und Vierpunktstock

Für leichte Entlastung, wenn ein Bein wieder tragen darf, aber unsicher ist. Der Vierpunktstock steht von allein und ist stabiler, dafür schwerer und auf Treppen unhandlich.

Die Höhe richtig einstellen

Der häufigste Fehler überhaupt — und die Ursache für fast alle Schulterbeschwerden bei Krückennutzern. Zwei Maße musst du prüfen:

Griffhöhe

Stell dich aufrecht hin, Schuhe an, Arme locker hängen lassen. Der Griff gehört auf Höhe deines Handgelenks — genauer: auf Höhe der Handgelenksfalte. Wenn du dann greifst, ist der Ellbogen leicht gebeugt, etwa 15 bis 30 Grad.

Zu hoch eingestellt heißt: Die Schulter wird bei jedem Schritt hochgezogen, nach drei Tagen tut der Nacken weh. Zu niedrig heißt: Du beugst dich nach vorn, und der Rücken übernimmt.

Manschettenhöhe

Die Armmanschette sitzt richtig, wenn zwischen ihrem oberen Rand und dem Ellbogen etwa zwei bis drei Fingerbreit Platz sind — rund 5 bis 7 cm. Sitzt sie zu hoch, blockiert sie das Beugen; zu tief, rutscht sie beim Gehen herunter.

Beide Stützen gleich einstellen. Klingt selbstverständlich, wird aber ständig übersehen — und ungleiche Höhen kippen das Becken bei jedem Schritt.

Gehen, Treppen, Aufstehen

Was dir die Physiotherapie zeigt, gilt — die folgenden Regeln sind die Standardtechnik, ersetzen aber keine Einweisung.

Der Drei-Punkte-Gang

Bei Entlastung eines Beins: Beide Krücken nach vorn setzen, das betroffene Bein zwischen die Krücken bringen (aufsetzen oder in der Luft lassen, je nach Vorgabe), dann mit dem gesunden Bein durchschwingen. Die Schrittlänge klein halten — große Schritte kosten Kraft und Stabilität.

Treppen

Die Merkregel, die in jeder Reha hängt:

  • Nach oben zuerst das gesunde Bein, dann folgen betroffenes Bein und Krücken.
  • Nach unten zuerst die Krücken und das betroffene Bein, dann das gesunde nach.

Eselsbrücke: Das gesunde Bein geht immer voran Richtung Himmel, das kranke voran Richtung Erde. Wenn ein Geländer da ist, nimm es — eine Krücke in die freie Hand, die andere unter den Arm der Geländerseite.

Aufstehen und Hinsetzen

Beide Krücken in eine Hand, mit der anderen an der Armlehne abstützen. Nicht an den Krücken hochziehen — die kippen weg.

Was „Teilbelastung 20 kg“ eigentlich bedeutet

Diese Angabe verwirrt fast jeden. Gemeint ist nicht dein Körpergewicht, sondern der Druck, den das betroffene Bein aufnehmen darf. Der praktische Test: Stell dich mit dem Bein auf eine Personenwaage und belaste sie so, dass sie den vorgegebenen Wert anzeigt. Dieses Gefühl merkst du dir. Die meisten unterschätzen, wie wenig 20 kg sind.

Wie viel du belasten darfst und wie lange, steht in deinem Entlassungsbrief oder sagt dir die behandelnde Praxis — das ist nichts, was man selbst festlegt.

Material, Gewicht, Traglast

  • Aluminium: Standard, robust, um 500 g pro Stütze. Für die allermeisten die richtige Wahl.
  • Carbon: etwa halbes Gewicht, deutlich teurer. Lohnt bei dauerhafter Nutzung oder wenn die Schultern ohnehin schwach sind.
  • Traglast: Standardmodelle tragen meist bis 100 bis 130 kg. Es gibt verstärkte Ausführungen bis 200 kg — die Angabe steht in der Produktbeschreibung und gehört geprüft.
  • Verstellbereich: Die meisten Modelle decken Körpergrößen von etwa 150 bis 200 cm ab. Wer deutlich darüber oder darunter liegt, braucht eine Sondergröße.

Das Zubehör, das den Unterschied macht

An der Krücke selbst gibt es wenig zu optimieren. An dem, was drumherum hängt, sehr viel:

  • Griffpolster — das Erste, was du besorgen solltest. Der harte Griff ist die Ursache für Druckstellen und Taubheitsgefühle.
  • Gummikapseln — Verschleißteile. Glatt gelaufene Kapseln sind der häufigste Sturzgrund auf nassem Boden.
  • Halteband — damit die Krücke nicht dauernd umfällt.
  • Krückentasche — mit zwei Krücken hast du keine Hände mehr frei.

Griffpolster, 2er-Set

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Was du in der ersten Woche sonst noch brauchst — Duschhocker, Duschschutz, Greifhilfe — steht in unserem Überblick Die erste Woche auf Krücken.

Häufige Fehler

  1. Höhe nie geprüft. Im Sanitätshaus wird oft grob eingestellt. Zehn Minuten zu Hause nachmessen sparen Wochen Nackenschmerzen.
  2. Gewicht in die Achsel. Bei Achselkrücken gehört das Gewicht auf die Hände.
  3. Kapseln nie kontrolliert. Einmal pro Woche das Profil ansehen.
  4. Zu große Schritte. Kostet Kraft und ist instabil.
  5. Krücken an die Wand lehnen und stehen lassen. Sie fallen um, du bückst dich hinterher — mit frisch operiertem Bein genau das, was du vermeiden sollst.

Häufige Fragen

Wie lange braucht man Krücken?

Nach einer Arthroskopie oft nur Tage, nach einem Bruch typischerweise sechs bis zwölf Wochen, je nach Heilungsverlauf. Verbindlich ist, was in deinem Behandlungsplan steht.

Kann ich Krücken gebraucht kaufen?

Grundsätzlich ja, aber prüfe Manschette, Verstellmechanismus und Kapseln genau. Ein ausgeleierter Druckknopf am Verstellrohr ist ein echtes Sicherheitsrisiko.

Was mache ich mit den Krücken danach?

Kassenmodelle sind meist Leihgaben und gehen zurück ans Sanitätshaus. Eigene Krücken nehmen viele soziale Einrichtungen und Tafeln an.

Rechts und links unterschiedlich?

Nein — beide Stützen werden identisch eingestellt, unabhängig davon, welches Bein betroffen ist.

Zwei Dinge, an die kaum jemand vorher denkt

An der Krücke selbst gibt es wenig zu optimieren. Zwei Anschaffungen daneben machen den größten Unterschied.

Duschen auf einem Bein ist die gefährlichste Situation der ganzen Genesung — ein Sturz in der nassen Wanne kann die Operation zunichtemachen. Ein Duschhocker macht daraus eine Sache, die du im Sitzen erledigst.

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Das Bein schwillt abends an. Hochlagern hilft nur, wenn es über Herzhöhe liegt und nicht seitlich abkippt — ein Deckenstapel rutscht nachts weg, ein geformtes Kissen nicht.

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Beides empfehlen Physiotherapeuten ohnehin. Was in der ersten Woche sonst noch gebraucht wird, steht in unserem Überblick Die erste Woche auf Krücken.

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